46. SMG Forum Erfolgsfaktor Mensch

46. SMG Forum 2009
46. SMG Forum
Erfolgsfaktor Mensch

Donnerstag, 17.09.2009

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SMG Forum

Erfolgreich dank Menschen

 

 

 

 

Prof. Bruno S. Frey


Das Forum der Schweizerischen Management Gesellschaft (SMG) stand am 17. September 2009 im Hotel Park Hyatt in Zürich im Zeichen des Mitarbeiterpotenzials. Carsten Schloter (Swisscom), Rolf Soiron (Lonza, Nobel Biocare, Holcim), Abt Martin (Kloster Einsiedeln) und weitere Referenten betonten die Notwendigkeit von Anerkennung, starker Firmenkultur und unabhängiger Denkart. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach über das Finanzsystem und Europas Zukunft.

 

Vor über 250 Entscheidungsträgern der Schweizer Wirtschaft eröffnete Bruno S. Frey am 17. September 2009 in Zürich das 46. SMG Forum. Der Wirtschaftsprofessor der Universität Zürich führte in die Wissenschaft des Glücks ein. „Geld macht tatsächlich glücklich. Das Glück nimmt aber nicht im Massstab des Mehreinkommens zu", sagte er. Bei Lohnerhöhungen verpufften zwei Drittel des Effekts auf die persönliche Zufriedenheit innert eines Jahres. Man gewöhne sich an die neue Situation und zudem gebe es im Umfeld meist einen Besserverdiener, mit dem man sich vergleicht. Bruno S. Frey konstatierte: „Der Mensch sucht vor allem Anerkennung durch Andere. Geld ist nur ein Indikator für Anerkennung."

 

Von der EPFL Lausanne reiste Präsident Patrick Aebischer zum Forum an. Forschern  gehe es meist nicht um Geld, sondern um Ruhm, bestätigte er die Aussage des Vorredners. In seinem Referat zeigte Aebischer auf, dass, wer eine Universität von Weltruf sein will, in erster Linie die international besten Professoren und Studierenden anziehen muss. „Das MIT in Boston holt die besten Leute aus der ganzen Welt. Wir tun das auch, doch in der Schweiz müssen Doktoranden zehn Tage nach dem Ende der Ausbildung das Land verlassen. Wir bilden sie mit unseren Steuergeldern aus und schicken sie dann weg. Das ist absurd!" Eine Haltung, die jener der meisten Forumsgäste entsprach. Am Nachmittag zirkulierte eine Botschaft an den Bundesrat zur Unterzeichnung. Darin wird die Landesregierung gebeten, das Thema wieder aufzunehmen.

 

 

Dank starker Kultur zum Swisscom-Erfolg

 

Auch Swisscom-CEO Carsten Schloter sprach über das Forums-Thema „Erfolgsfaktor Mensch".Im Spannungsfeld zwischen Kostendruck und Qualitätsanspruch machte er bei Amtsantritt eine grosse Zahl voneinander abweichender Ansätze für den Umgang damit aus. Um konstante Signale an alle Mitarbeiter verschiedener Einheiten aussenden zu können, führte Schloter ganztägige monatliche Treffen ein, die dem Austausch und der Gestaltung der Firmenkultur dienen. Rund 100 Kaderleute nehmen jeweils Teil. Zu Innovationsprozessen sagte er, es reiche nicht, beispielsweise das berühmte Modell von Toyota zu kopieren. „Dort wuchs diese Kultur über Jahrzehnte. Ein Lernprozess, den Sie nicht überspringen können."

 

Abt Martin vom Kloster Einsiedeln erläuterte anhand der Biographie Benedikts von Nursia den Zustand, bei dem ein Mensch „ganz bei sich selbst zuhause ist" und als Folge davon die Abhängigkeit von äusseren Faktoren verringern könne. „Denken Sie beispielsweise an die Bundesräte. Einmal Aushängeschild und dann wieder möchten die Menschen Sie nach Libyen in die Ferien schicken." Über Unternehmensleitbilder sagte Abt Martin, dass diese oft den Menschen ausblendeten. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „In unserer Bruderschaft gibt es auch faule oder murrende Mönche. Bei Ihnen hingegen scheint es menschlich stets zum Besten zu stehen. Ich beneide Sie."

 

 

Durchschnittlichkeit als Management-Skandal


Philippe Hertig, Office Leader bei Egon Zehnder International, sagte: „Jeder hat Anrecht auf einen fähigen Chef. Der wahre Management-Skandal ist die mediokre Besetzung von obersten Führungspositionen". Neben einer Ansammlung von Glücksfällen braucht es für eine erfolgreiche Karriere genetische Voraussetzungen, eine permanente Lernwilligkeit und zahlreiche richtige Weichenstellungen. „Sobald man auf der Management-Stufe angekommen ist, werden jedoch ausgezeichnete Personalentscheide zum wichtigsten Faktor", sagte der Executive Search-Experte.

 

Dass der Mensch auch ein Misserfolgsfaktor sein kann, führte Rolf Soiron mit Blick auf die diesbezüglich eher skeptische französische Sprache („facteur humain") aus. „Misserfolg ist fast allgegenwärtig und jederzeit möglich", sagte der Verwaltungsratspräsident von Lonza, Nobel Biocare und Holcim. Für den Erfolg brauche es einen Chef, der über eine enorme Unabhängigkeit des Urteils verfüge, Erfolg spezifisch definiere und zwar im Interesse des Unternehmens - nicht in erster Linie seiner selbst. „Ein guter CEO macht die Hälfte des Erfolgs aus."

 

Paul Rechsteiner, SP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, rief dazu auf, die Grundlagen der Sozialpartnerschaft hoch zu halten, um auch künftig in der Schweiz von Massenarbeitslosigkeit verschont zu bleiben. Die Banken warnte er vor der Gefahr, wieder ins alte Fahrwasser zu geraten. „Was geschehen ist, hatte identifizierbare Ursachen. Die Menschen spüren, welche es sind."

 

 

Arno Del Curto: frei von Angst


Einen Aspekt der von Rolf Soiron erwähnten Unabhängigkeit führte Arno Del Curto - 2009 zum besten Eishockey-Coach Europas gekürt - im Gespräch mit der Moderatorin Christine Maier aus: „Das wichtigste im Trainerjob ist, absolut keine Angst vor gar nichts und niemandem zu haben. Nur dann tue ich das, was ich für richtig halte. Da kann ich nicht auf Team, Klubführung, Fans oder Medien hören."

 

Der Spitzenmediziner Martin Meuli vom Universitätskinderspital Zürich berief sich auf Nietzsches „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar", als er anhand von Patientenfotos den Fall eines 12jährigen Jungen schilderte, dessen Haut zu zwei Dritteln verbrannt war. Das Kind entrann dem Tod und wird in einigen Jahren auf einen abgesehen von den Narben mehr oder weniger intakten Körper zählen können. Eindringlich schilderte der Chirurg den von Misserfolgen geprägten Weg zur Rettung des Jungen und betonte dabei die Bedeutung der Kommunikation. „Immer und ausschliesslich die Wahrheit. Alle im Team zur gleichen Zeit. Direkt danach die Betroffenen."

 

Gerhard Schröder, der deutsche Alt-Bundeskanzler, rief dazu auf, das Finanzsystem weiter zu stabilisieren. Dieses müsse sich auf seine ureigene Aufgabe besinnen: das Versorgen der realen Wirtschaft mit Finanzmitteln. Schröder sprach sich zudem für eine rasche Erweiterung der G8 auf eine G13 auf, zu der neu die fünf Schwellenländer Brasilien, Indien, China, Mexiko und Südafrika gehören sollen.

 

Europa riet der Referent, der die Schweiz ausdrücklich mit einschloss, zu einer strategischen Partnerschaft mit Russland. Zudem fordert er die baldige Aufnahme der Türkei in die EU, um die ökonomische und politische Sicherheit zu stärken. Nur mit solchen Partnerschaften könne der alte Kontinent mit dem aufstrebenden Asien und den wieder erstarkenden USA auf Augenhöhe bleiben. Mit Bezug auf kulturelle Unterschiede und den Fall Sulzer wurde Gerhard Schröder gefragt, wie man sich russischen Grossaktionären gegenüber verhalten soll. „Behandeln Sie russische wie amerikanische Investoren." Erheiterung löste sein Nachsatz aus: „Sorgen Sie aber dafür, dass sie in Russland besser behandelt werden als in Amerika."

 

Thomas Bergen hatte am Morgen zur Begrüssung darauf hingewiesen, dass die Schweiz ein neues Geschäftsmodell brauche, um das Wegbrechen von rund 6 Prozent des Bruttosozialprodukts zu kompensieren. Am späten Nachmittag verabschiedete der neue SMG-Präsident die Gäste mit zwei Gedanken des Tages, die nachhallten: „Jeder hat das Recht auf einen fähigen Chef und die Wertschätzung der Mitarbeitenden ist von höchster Bedeutung."

 

 

 

Impressionen aus dem Publikum

 

Prof. Patrick Aebischer

Carsten Schloter

Abt Martin

Dr. Philippe Hertig

Dr. Rolf Soiron

Paul Rechsteiner

Arno Del Curto

Prof. Martin Meuli

Gerhard Schröder

Impressionen

Christine Maier

Impressionen

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